In Japan herrschen durch den starken Einfluss des ZEN - Gedankens noch sehr hierarchische Prinzipien von Lehr- und Trainingsstrukturen, wobei „…sich der Sportpädagoge mitteleuropäischer Prägung (,) gerade im Schuljudo (,) mehr als Helfender und Partner“ (Clemens, 1989, S.21) sieht. Anders als im Schulalltag ist es auf der Matte möglich, in unmittelbaren Körperkontakt mit den Schülern zu treten. Der Lehrer kann Techniken nicht nur erklären sondern auch demonstrieren ( z.B. mit einem Schüler ), er kann Hilfestellungen geben oder sich als Partner beim Demonstrieren von Techniken anbieten. „Durch die bereits erwähnte körperliche Nähe entwickelt sich zwischen Lehrer und Schüler im Laufe des Unterrichts ein besonders intensives Verhältnis.“ (Clemens, 1989, S.21)
Oft ist es überflüssig, dem Schüler etwas mit Worten erklären zu müssen. Der Judounterricht soll anschaulich sein, und die Schüler sollen ebenfalls die Möglichkeit haben, mit dem eigenen Körper zu erforschen, ob sie etwas richtig oder falsch machen. Der Lehrer selbst fungiert als Bewegungsvorbild des Schülers. Die traditionelle Charakterisierung des Judo bedingt, dass ein großer Teil des Unterrichts deduktiv abläuft. Der Lehrer erklärt zwar umfassend, aber die Schüler dürfen die Techniken selbst induktiv erproben und für sie geeignete Abänderungen entwickeln. Für Lehrer, die keinen Einblick in diese Sportart haben, wird ein gut geführter Judounterricht allerdings sehr gewöhnungsbedürftig sein. Wer einen offenen Sportunterricht gewöhnt ist, wird diese Phasen im Judounterricht suchen und nur in geringem Maße fündig werden. Der Judolehrer fungiert als Respektsperson, die Disziplin und Achtung ausstrahlen soll, während die Schüler nach Vorgaben und Regeln üben. Diese „Machtstellung“ darf nicht missbraucht werden. Meist schätzen die Schüler ihren Judolehrer zwar sehr, zeigen aber dennoch, dass sie Nähe und Kontakt zu ihm suchen indem sie vor und nach dem Training auch mit Privatgesprächen zu ihm kommen.