Optimaler Einsatz von Körper und Geist
„Seriyoku-zen’yo“
Dieses Prinzip stellt das Ziel Jigoros dar, „nicht nur den Körper zu entwickeln, sondern den Mann oder die Frau in den Stand zu setzen, eine vollkommene Kontrolle über Geist und Körper zu haben und so auf jedes Ereignis vorbereitet zu sein, sei es ein einfacher Zwischenfall oder ein Angriff durch andere.“ (Sport Rhode, 1980, S.150) Er wollte dem Sportler durch sein Judotraining die Möglichkeit geben, nicht nur körperliche Fitness zu betreiben, sondern auch geistige Arbeit zu leisten.
Jigoro erklärt in seinem Aufsatz über Judo anhand eines Praxisbeispiels die Wirksamkeit und Funktionsweise dieses Prinzips.
Er stellt eine kämpferisch ungleiche Situation dar, in der ihm ein Mann mit 10 Krafteinheiten gegenüber steht, während er selbst nur 7 besitzt. Der erste Gedanke, dem man sich ohne darüber nachzudenken hingeben würde, wäre, sich mit aller Wucht gegen den anderen zu werfen. Da dieser aber wesentlich mehr Krafteinheiten besitzt, würde dieses Unterfangen erfolglos bleiben, wodurch deutlich wird, dass es nicht immer nötig ist (und auch nicht geschickt), Kraft gegen Kraft zu setzen. Wenn man statt dessen nachgeben würde und seinen Körper soviel zurückziehen würde, wie der andere ihn gestoßen hat, würde dieser das Gleichgewicht verlieren und sich nach vorne neigen. In dieser Situation entspricht die Kraft des Gegners nunmehr nur noch 3 Einheiten und man kann den Gegner mit nur halber Kraft (3.5 seiner 7 Einheiten) besiegen, wobei man gleichzeitig noch viel Kraft spart.
Somit wird das Prinzip des Judo ( „Der sanfte Weg“ ) deutlich, was darauf hinweist, dass gute Judoka keine aggressiven „kopflosen“ Angreifer sind. Judo ist eine Verteidigungssportart, welche die Bewegung des Gegenüber möglichst ökonomisch und ohne großen Kraftaufwand ausnutzt. Jigoro bezweckte mit seiner Lehrweise des Judo neben der physischen Ausbildung des Körpers gleichermaßen die Charakter- und Persönlichkeitsformung sowie die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten.
Durch regelmäßiges Judotraining werden logisches Denken, Einbildungskraft und Urteilsvermögen geschult, was die Voraussetzung für überlegtes aber schnelles Handeln darstellt. (vgl. Sport Rhode, 1980, S.147 ff)