Kulturelle und politisch/ökonomische Verknüpfung

Hier ein knapper Abriss des geschichtlichen Hintergrundes vor dem sich die Ursprünge des Judo entwickelten:

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschte in Japan ein mittelalterliches Feudalsystem, das streng nach Kasten gegliedert war. Geistiges Oberhaupt Japans stellte der Tenno dar. Er stammte von der Sonnengöttin Amaterasu Omikami ab.
Unter ihm stand der Shogun, der die weltliche Macht verkörperte. Ursprünglich war der Tenno sowohl geistiges als auch weltliches Oberhaupt. Im zwölften Jahrhundert wurde er nach zahlreichen Kriegen entmachtet.
Der Shogun stellte die eigentliche Macht in Japan dar. Er regierte das Land mit der Adelsschicht, den Samurai.
Diese waren die staatstragende und –bewahrende Gesellschaftsschicht..
Sie sind vergleichbar mit dem deutschen Ritterstand.
Die drei weiteren, niedrigeren Kasten waren die Bauern ( No ), die Handwerker ( Ko ) und die Kaufleute ( Sho ).
Dabei galten die Bauern als Ernährer des Volkes und die Handwerker als bloßes Werkzeug des Volkes. Die Kaufleute wurde als moralisch minderwertig angesehen, waren zugleich aber notwendiges Übel.
Von 1603 bis 1867 herrschte in Japan Friede. Die Shogune kamen aus der Familie der Togugawa. Während dieser Zeit schirmten die Shogune das Land bis auf eine Handelsstrasse nach China ab.
Aufgrund der fehlenden ausländischen Konkurrenz erlangten die Kaufleute, bis dahin die minderwertigste Kaste, neuen Reichtum.
Die Samurai, die sich bisher in den Kriegen bereichern konnten, standen nun mit leeren Händen dar. Sie hatten keine Aufgabe mehr und verschuldeten sich bei den Kaufleuten. Die Kaufleute kontrollierten nun die Samurai, die eigentliche Regierungskaste.
Durch diese Isolationspolitik war Japan 264 Jahre von der Entwicklung außerhalb ausgeschlossen.
1854 wurde ein Handelsvertrag mit den Amerikanern geschlossen, worauf sich die Häfen Shimoda und Hakodate öffneten. Die abgesandte amerikanische Handelsflotte wurde von einigen Kriegsschiffen begleitet.

Dadurch sahen sich die Samurai mit dem Fortschritt konfrontiert. Sie hatten den neuen Handfeuerwaffen und Kanonen nichts entgegenzusetzen.
Infolge dieser Entwicklung dankte der letzte Togugashogun 1867 ab. Er übergab die weltliche Macht an den Tenno Mutsuhito, der westlich orientiert war und den korrupten Feudalstaat abschaffen wollte. Mit dem Beginn seiner „Meji“- Epoche führte er zahlreiche Reformen ein:

 1869 hob er die Besitztümer der Samurai auf. Diese erhielten dafür Renten.
Alle überlebten Bräuche sollten abgeschafft werden. Diese stellten aber die
Tradition der Samurai dar.

 Eine allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt. Somit war eine Kriegerkaste
nicht mehr nötig.

 1876 erließ der Tenno das Schwerttrageverbot. Dies war bisher das alleinige
Recht der Samurai gewesen. Im Zuge dessen sollte auch die waffenlose
Selbstverteidigung der Samurai in Vergessenheit geraten.