Was kann man erreichen?

Kann ein Kampfsport wie Judo gewaltpräventiv wirken, oder werden Jugendlichen mit aggressiven Verhaltensweisen so Tür und Tor geöffnet, (noch) effektiver aggressiv zu reagieren? Die spezifische Charakteristik hebt Judo unter den anderen Kampfsportarten hervor und prädestiniert es, als sanfte Kampfsportart genauer betrachtet zu werden. Der Katalog der Bedenken ist lang. Die wichtigsten Bedenken lassen sich zusammenfassen. Alle Kampfsportarten sind auf ein langes Studium ausgelegt. dies steht im Gegensatz zum kurzfristigen Charakter der Jugendarbeit generell und befristeten Angeboten im besonderen. Pädagogische Intention und friedensfördernde Absicht können nicht verwirklicht werden, der Jugendliche lernt nur noch effektiver zuzuschlagen. Ein soldatisches, hartes Menschen- und Männerbild wird propagiert. Das Bild des einsamen, unbesiegbaren Helden wird gefördert. Die Emanzipation von überkommenen Rollenklischees kann untergraben werden. Judo darf demnach nicht als reiner Kampfsport propagiert werden. Die Chance liegt in der Rolle als Kampfkunst, die sich des sportlichen Wettkampfes nur bedient, um ihre Prinzipien verwirklichen zu können.
Kampfkunst bietet einen geschützten Erfahrungsraum zum Erleben verdeckter Gefühle und Erproben neuer Verhaltensweisen. Judo unterstützt das Einhalten von Regeln und Strukturen. Das eigene und das fremde Rollenverständnis wird neu definiert. Durch die Perspektivenübernahme im Übungsablauf kommt es zum Transfer von Werten und Normen. Jugendliche lernen am Modell, am Vorbild des Lehrers. Dies ermöglicht ein positives Verhältnis zu Autorität.

Die eigenen Verhaltenskontrollmechanismen werden gestärkt. Judo als Kampfkunst fördert soziales Lernen, insbesondere Rücksichtnahme, Respekt, Verantwortung für sich und andere. Der enge Körperkontakt fördert das Verstehen-Lernen von Körpersignalen. Kampfkunst ermöglicht direkte Erfolgserlebnisse über Körper- und Technikbeherrschung. Jugendliche bleiben Personen, werden also nicht zu Objekten der Pädagogik herabgestuft. Kampfkunst birgt Möglichkeiten und Ansätze zur Gewaltprävention. Bedenken sind vorhanden und müssen beachtet werden. Diese „Gratwanderung zwischen einer individualistisch-narzisstischen, unpolitischen, “Fitness”-Kultur, einem Körperkult, dessen historische Parallelen politisch missbraucht wurden, und einem zunehmenden Hang zur Gewalt, zur persönlichen und gesellschaftlichen Aufrüstung” (Kühn 1994, S. 495) zeigt, dass die „immense Verantwortung der Übungsleiter, Trainer und Betreuer, aber auch die Notwendigkeit der Schaffung von sozialen Netzwerken bewegungs- und körper-, sportbezogener Gewaltprävention“ (Kühn, S. 1994) sinnvoll und notwendig ist um Kampfkunst im Sinne der Gewaltprävention einbringen zu können. Dann „…kann …mit Jugendlichen sinnvoll gearbeitet werden.“ (Kühn 1994, S. 1994)
Mit der Schaffung der nötigen Rahmenbedingungen lässt sich durchaus ein wirkungsvolles System erarbeiten, das auch Lehrern ohne größere Judo-Erfahrung die Möglichkeit bietet gewaltpräventiv arbeiten zu können.
Im Hinblick auf die Geschehnisse in jüngster Vergangenheit muss im pädagogischen und soziokulturellen Rahmen auf die gefährlich gestiegene Anzahl der gewalttätigen Vorfälle reagiert werden. Vor allem im Kinder- und Jugendbereich müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Das Vermitteln der Kampfkunst Judo kann im Schulbereich eingebracht werden.
Die Kampfkunst Judo präsentiert sich vielfältig. Als leistungssportlicher Wettkampf, als auf traditionellen Werten basierende Kampfkunst, als Möglichkeit der Gewaltprävention und als Anwendung im Gesundheitssport.
Dieses Bild der Ganzheitlichkeit und des Bezugs auf alle Lebensbereiche wird durch die mögliche Anwendung als gewaltpräventives Mittel und als Mittel im Gesundheitssport der heutigen Zeit bekräftigt.

Wie kann man das mit Judo erreichen?