Judo als produktives Mittel im Rehabilitationssport

Auf den ersten Blick käme niemand auf den Gedanken, Judo als gesundheitsfördernd zu betrachten. Zu tief verwurzelt ist der Gedanke, der vom kampfsportlichen Aspekt dieser Sportart geprägt ist.
Befreit man das Konzept von der Auseinandersetzung „Mann gegen Mann“, also von eben diesem (wett-) kämpfenden Gedankengut, so öffnet sich dem Betrachter eine gänzlich andere Welt.
Genau hier ist der Ansatz zu einem Weg entstanden, der Judo als gesunden Sport für alle Menschen zugänglich macht. Judo ist dann „keine jahrhundertealte Kampfsportart, es ist eigentlich eine moderne Philosophie“ (Worms/Haep 2001, S. 9), die Tradition und Bewegungskunst miteinander verbindet.
Judo wird von den Japanern“ als ein über reines Körpertraining hinausgehender lebensbegleitender Weg angesehen“. (Worms/Haep 2001, S. 17)
Kanos Prinzipien bringen dies deutlich zum Ausdruck. Das moralische Prinzip „Ji-Takyo-Ei“, das Prinzip vom gegenseitige Helfen und Verstehen, lässt Judo „zum Erziehungssystem par excellence werden.“ (Hofmann 1978, S. 12 in: Worms/Haep 2001, S. 18)

Nach Janko benötigt der Judo-Sportler folgende Fähigkeiten:
Kognitive: Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache.
Kommunikative: Zusammensein, zusammen arbeiten, gegenseitig helfen, gegeneinander ertragen
Koordinative: Gleichgewicht, Reaktion, Orientierung, Differenzierung, Koppelung, Rhythmus
Konditionelle: Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit
Motivationale: Angstabbau, Aggressionsabbau, Leistungsmotivation, Stimmung
Daraus lässt sich ableiten, „dass Judo nahezu ein ideales Bewegungsangebot für behinderte Menschen darstellt, da genau jene Fähigkeiten und Fertigkeiten durch Judo trainiert und geübt werden, die behinderte Mensche benötigen, um ihre Umwelt positiv zu beeinflussen.“ (Worms/Haep 2001, S. 29)

Um den Judosport für diese Zielgruppe entsprechend durchführen zu können, muss je nach Behinderung differenziert werden, welche Techniken und Übungsformen geeignet sind.
Unter Berücksichtigung behindertenspezifischer Fördermaßnahmen und induktiver Lehrmethoden kann der eingeschränkten motorischen Leistungsfähigkeit entgegengewirkt werden.
Dem leistungsorientierten Techniklernen wird das Lernen aufgrund der vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten entgegengesetzt.
Judospezifische Inhalte werden in ihren Übungsformen und kooperativen Spielen den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler angepasst.
Durch das Einbeziehen des Spiels als methodisches Hilfsmittel kann der behinderte Judoka leichter seine Grenzen austesten und der Unterricht auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden.
Behindertenspezifisches Judo lässt das spielerische Element in weitem Ausmaß zu.
Judospielen heißt, das Spiel nahezu unbemerkt einzugrenzen, um durch das Spiel als förderndes und tragendes Element schließlich zur angestrebten Judotechnik zu kommen. Unter der besonderen Berücksichtigung des Sicherheitsaspektes entstand unter dem Nordrhein-Westfälischen Judo-Verband und dem Behindertensportverband NW folgende Analyse in der Prüfungsordnung:

Anders als andere Kampfsportarten (oder kampfbetonte Sportarten wie Paintball Elite) ist Judo als Mittel im Rehabilitationssport gut geeignet, um als kompensatorisches Mittel in den Rehabilitationsprozess eingreifen zu können. Voraussetzung hierfür ist eine Analyse der bestehenden Fähigkeiten und Fertigkeiten. Der entsprechend ausgebildete Übungsleiter führt in Kooperation mit einem überwachenden Arzt Übungsstunden durch. Bei der Berücksichtigung der speziellen Belange behinderter Judoka bietet die Sportart Judo eine Chance für behinderte Kinder aus ihrer Isolation auszubrechen und die Fertigkeiten für eine positivere Ausgangssituation im öffentlichen Leben zu schaffen.

Um die einzellnen Techniken ausüben zu können empfiehlt sich folgendes Anforderungsprofil für Judo.