Stundenaufbau und Inhalte

Vorgestellt werden 10 Einheiten á 90 Minuten. Der Einsatz eignet sich somit als Kurssystem oder als möglicher differenzierter Sportunterricht. Der methodische Aufbau der Techniken richtet sich nach den Vorgaben des DJB. Die Unterschiede dieses Entwurfes werden in der Reihenfolge der Vermittlung der Techniken deutlich.
Der Vermittlungsansatz richtet sich nach den Kriterien von Anton Geesink in „Judo in Evolution“. Es wird also kein komplett neues System vorgestellt. Vielmehr sind im Hinblick auf die Bewegungsverwandtschaft Techniken aufeinanderfolgend zusammengestellt worden, die logisch aufeinander aufbauen und sich nicht nach der zwar traditionellen, aber willkürlichen Reihenfolge Kanos richten.

Geesink hat sich von folgenden Kriterien leiten lassen:
Die Terminologie muss richtig sein.
Die Reihenfolge der Würfe, Haltegriffe, Armhebel usw. beim Lehren dieser muss logisch sein.
Fortschritt und Graduierung können schneller vonstatten gehen.
Die Ethik, die Verantwortlichkeit füreinander, muss der Freude beim Ausüben des Judo förderlich sein.
Falsche Mystik muss verbannt werden.
Niemals dürfen Judoka einer Kommerzialität zuliebe am Gängelband komplizierter Strukturen, Graduierungen, Mystifikationen u.a.m. gehalten werden.
(Geesink 1971, S. 25 )

Nach einer Analyse der bestehenden Griffe und Würfe nach dem Kriterium ihrer Beziehung zueinander wurden diese umgruppiert. Durch die Einführung der Begriffe „Spielarm“, „Spielbein“ und „Arbeitsarm“ und „Arbeitsbein“ gelang ihm eine neue Reihenfolge miteinander in Beziehung stehender und aufeinander aufbauender Techniken. „Durch unsere Analyse, das Suchen nach einer richtigen Terminologie und das Zustandebringen von „logischen“ Einheiten wurde unser Judorepertoire um eine Vielzahl hervorragender Techniken vergrößert.“ (Geesink 1971, S. 29 )

Von seinen Erkenntnissen geleitet, entwickelte Geesink einen Lehrplan, der sich auf die Grundlagen stützte:
Eine gute Judotechnik.
Eine logische Reihenfolge der Übungen, der Anfängersituation des Schülers Rechnung tragend.
Der ständige Hinweis auf das „Wie“ und „Warum“ sowohl bei vorbereitenden Übungen als auch bei „Endwürfen“ oder „-griffen“.
Der Gebrauch einer richtigen Terminologie.
Einsicht vermitteln in die Struktur des gesamten Judorepertoires.
Das Üben jener Techniken, die der Konstitution des betreffenden Judokas entsprechen.
(Geesink 1971, S. 30 f. )

Aus dem Lehrplan Geesinks wurden einige Elemente nicht berücksichtigt, da diese von der Komplexität und von der Verantwortlichkeit her ein tieferes Studium verlangt hätten, wie es beispielsweise im Schulsportunterricht in der jetzigen Form nicht möglich wäre. Es handelt sich dabei um die Punkte 4,5,6 und 11 mit 14 (siehe Lehrplan). Die „gefährlichen“ Technikgruppen des Grundlagentrainings bzw. die höheren Gruppen des Fortgeschrittenentrainings können im Rahmen eines weit komplexeren Studiums umgesetzt werden. Diese 10 Einheiten sollen einen Überblick über die Sportart Judo bereiten und vor allem die Elemente betonen, die Judo als gewaltpräventives Instrument in der Schule ausweisen kann.
Die Methodik der Fallschule richtet sich nach der Anfängermethodik des DJB.
Grundgedanke des Fallens ist es, die Wucht des Aufpralls auf eine möglichst große Fläche zu verteilen und somit den harten Aufschlag zu mindern. Beispiel: Fällt uns ein Buch aus der Hand, ist die Frage, auf welche Seite es am Günstigsten aufkommen sollte, damit ihm wenig passiert. Es darf jedenfalls nicht auf die Ecken kommen, da diese leicht Schaden nehmen könnten. Die „Ecken“ des Körpers sind Knie, Kopf, Schulter, Ellenbogen und Handgelenke. Aus diesem Grund streben wir immer an, auf unseren großen Flächen aufzukommen, um „zerbrechlichere“ Teile zu schützen. Kommen wir also zu Fall, sollte wir immer versuchen, nicht mit unseren Kanten „anzuecken“, sondern den Fall mit dem Körper abzufangen. Durch das Abschlagen wird die Aufprallenergie noch breiter gefächert, ein Teil der Kraft wird an den Untergrund abgegeben.
Die hohe Kunst der Falltechniken erlaubt es dem Judoka gewisse Fallhöhen, hohe Fallgeschwindigkeiten und enorme Aufprallenergien ohne Schaden abzufangen. (vgl. Siegmund 1996, S. 1)
Den Transfer zum alltäglichen Leben zu ziehen ist leicht. Sei es beim Laufen, bei einer Rangelei oder beim Inlineskaten, jeder hat die Erfahrung des Fallens mehr oder weniger schmerzhaft schon erlebt. Vor allem Kindern bietet Judo die Möglichkeit, sich mit dem Fallen auseinanderzusetzen und das Trauma des Stürzens zu verarbeiten.
Aus den Ansätzen Anton Geesinks und der Methodik des DJB lässt sich in Bezug auf die Gewaltprävention im Kinder- und Jugendalter dieses Kurssystem entwickeln.