Sieg und Niederlage

Heranwachsende haben häufig Probleme, Niederlagen zu verkraften und psychologisch zu verarbeiten. Sie nehmen diese meist persönlich und fühlen sich minderwertig. Für sie ist oft das tatsächliche Ergebnis ausschlaggebend. Teilerfolge werden kaum registriert und zählen für sie nicht. Sie wollen um jeden Preis siegen, ohne Rücksicht auf Verluste, und dieser Haltung muss besonders im Sportunterricht entgegen gewirkt werden. Durch das Hervorheben von Teilerfolgen im Judo sollen die Schüler Schritt für Schritt erkennen, dass oft schon kleine Erfolge zählen. Hat ein Schüler z.B. zu Anfang mehrfach gegen einen anderen Schüler klar verloren und verliert beim erneuten Versuch nur noch knapp, wird dies hervorgehoben und soll zu mehr Trainingseifer anspornen. Als Lehrer kann man die Motivation der Schüler positiv beeinflussen, indem man die Kampfpaarungen möglichst ausgeglichen zusammenstellt. „Wo keine Chancengleichheit gegeben ist, wird das Spiel einseitig und langweilig. Dies zeigt auch, dass im Wettstreit der Sieg nicht alles ist. Wichtiger noch ist der Vollzug des Spiels selbst.“ ( Schmidt – Millard, 1996, S.18 )
An Gymnasien gibt es bereits Schulmeisterschaften im Judo, bei denen die Judo - Schüler gegeneinander antreten. In solchen Begegnungen ist der Ehrgeiz natürlich größer und die Schüler müssen lernen, verlorene Kämpfe schnellstmöglich zu verarbeiten. Mannschaftsmeisterschaften tragen dazu bei, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl der Schüler ausgeprägt wird. Die Mannschaft feuert den Trainingspartner an und steht hinter ihm. Falls ein Schüler verliert, kann ein Mannschaftskamerad diese „Niederlage“ durch einen

Sieg wieder ausgleichen. Die Schüler gratulieren oder trösten sich gegenseitig und entwickeln Teamgeist.
Da es im Judotraining oder Schuljudo nicht darum geht den anderen zu verletzen oder bloßzustellen, wird den Schülern von Anfang an erklärt, dass es keine Schande ist in einem Übungskampf ( Randori ) zu verlieren. Es ist eine Begegnung zwischen zwei Personen, bei denen einer in diesem Moment schneller reagiert hat als der andere. Der Schüler lernt auch, mit Niederlagen umzugehen, wenn er in einem Randori „verliert“ und wird dabei erkennen, dass es nicht von Sieg oder Niederlage abhängig ist, ob man von anderen respektiert wird oder nicht. Der spielerische Charakter steht im Vordergrund. Durch viele Kämpfe, in denen jeder einmal „gewinnt“, tritt der Sieg eher in den Hintergrund und der Spaß am Kräftemessen mit unterschiedlichen Partnern steigt. Auch durch den ständigen Wechsel von Tori und Uke während der Übungen tritt die Aktion selber in den Vordergrund. Die Schüler zählen im Randori keine Punkte mit, sondern freuen sich, wenn sie den anderen werfen können, was den Partner wiederum anspornt, nun seinerseits aktiv zu werden. Es gibt im Übungskampf nur Sieger und keine Verlierer, beide Schüler sollten mit der erbrachten Leistung zufrieden sein. Sieg und Niederlage treten in den Hintergrund. Die Schüler verbeugen sich voreinander und schütteln sich die Hand als Zeichen des gegenseitigen Respekts. Dies zeigt dem Verlierer, dass der andere ihn trotz der Niederlage achtet. Wenn die Schüler gelernt haben, dass Verlieren keine Schande ist, sondern jeder verlieren kann, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie sich auch im Alltag als faire Gewinner oder Verlierer präsentieren.